Tipps für Rennrad-Einsteiger /innen

Die sonntäglichen Radtouren mit meinem Papa bildeten in meiner Kindheit immer den perfekten Abschluss der Woche. Gemütlich durch die Dörfer fahren, die Landluft in der Nase und den Fahrtwind auf der Haut – besser ging‘s nicht. Als man nach ein paar Stündchen wieder daheim war und erst mal wie ein Cowboy durch die Gegend lief, vor lauter Pudding in den Beinen, wurde man von den Gefühlen des Stolzes und der Glückseligkeit quasi überrollt. Und war meistens fix und fertig.
Aber irgendwann war Schluss damit. Ich ging sonntags lieber ins Schwimmbad oder traf mich mit Freunden und mein Papa gab auf seinem Rennrad Gas. Jeder entwickelt sich halt weiter.
Das mir das Radfahren nochmal so viel Spaß machen würde, hätte wirklich niemand gedacht – am wenigsten ich.

 

Fahrräder sind für Kinder und Rennräder für Erwachsene

 

Letztes Jahr ließ ich mich dann beschwafeln. „Probiers doch mal aus Laura, du wirst sehen, das wird dir gefallen!“, schallte es plötzlich von allen Seiten, als hätte sich die gesamte Teilnehmerschar der Tour de France gegen mich verschworen.  Und was machte Laura? Richtig, ließ sich breitschlagen. Es wurde ein Rennrad für Einsteiger gekauft. Da mein Freund schon genauso vom Rennrad-Fieber gepackt war wie mein Papa, hatte ich quasi keine Wahl mehr: rein in die enge Hose mit dem komischen Polster im Schritt und rauf auf den Sattel. Wenn da nur nicht diese Klick-Pedale wären, mit denen man mit dem Rad zusammengeschweißt wird…

 

Rennradfahrerinnen haben einen Quadratarsch und leuchten 300 km gegen den Wind

 

Am Anfang fühlt man sich wirklich, als wäre man wieder sechs und würde gerade erst das Radfahren lernen. Erst mal zwickt diese Hose am Anfang total – ohne Unterhose ja auch kein Wunder. „Die Unterhose stört beim Rennradeln nur und schneidet total ein.“ Na lecker. Aber ohne Hose kein Fahren, also heißt‘s wohl Augen zu und durch. Sobald man auf den viel zu hoch eingestellten Sattel steigt versteht man plötzlich, was das Polster im Schritt soll. Denn: Sattel gleich hart wie Stein. Da wundert‘s auch nicht wenn man nach der ersten Tour wieder mal das Cowboy-Gefühl hat – Männer, wie macht ihr das nur?!
Das Gefühl wenn man Hose und Klick-Pedal-System bezwungen hat ist unbezahlbar
Hat man dann mal Sattel und Klick-System bezwungen, was so rund drei bis fünf Touren dauern kann, dann muss ich den Tour de Franc’lern ja eins lassen: das macht Spaaaaaß! Mit dem Holland-Rad durch die Gegend “düsen“ ist dagegen wirklich ein Witz, allein schon wegen der ganzen Aufmachung (Radschwestern, ihr wisst was ich meine ;)!).
Zum Rennradeln braucht man jede Menge Klamotten. Wer also denkt, er hat sein Rad und kann los – Pustekuchen! Erstmal braucht ihr eine gepolsterte Hose – bzw. drei. Eine gefütterte Winter-, eine kurze Sommer – und natürlich noch die obligatorische Übergangshose für die Jahreszeiten dazwischen. Vielleicht auch noch eine ungefütterte lange Variante, nur für alle Fälle. Aber natürlich könnt ihr das alles nach und nach kaufen, mir reichte im Monat November auch erst mal lange Zeit das gefütterte Modell.
Für mich fast noch wichtiger: das Trikot. Es ist zwar klischeehaft, aber Frau fährt in meinem Fall gerne bunt. Dient natürlich nur der Sicherheit – sehen und gesehen werden – und überhaupt nicht der ladyliken Optik. Wer achtet denn schon auf so was?!
Ansonsten braucht man noch Handschuhe, Schuhe mit dem Klicksystem seiner Wahl, was man im Idealfall nicht mehr dranschrauben muss, eine Brille gegen die nervigen Insekten und natürlich mit am Wichtigsten: der Helm. Gut dass es bei der Klamottenwahl nur um die Sicherheit und nicht um die Optik geht. Aber wer eine Melonenspaltung vermeiden will, sollte in den sauren Apfel beißen!
Hat man das alles zusammen, darf man endlich rauf auf den Gaul. Außer natürlich man will noch warten, bis der Quadratarsch da ist, denn den hat ja jede Rennradfahrerin. Und dann kann man auch gleich noch mit auf den Weihnachtsmann und den Osterhasen warten. Gut das Frauen in der Radsport-Welt nicht mit Klischees behaftet sind.

 

Pfirsich-Popo ahoi

 

Liebe Damen, ich kann euch beruhigen: seit ich im November angefangen habe, das Rennrad zu bezwingen, ist mir noch kein 3 Meter-Hintern gewachsen, für den es eine eigene Postleitzahl braucht. Im Gegenteil: mein Hintern ist viel knackiger und straffer geworden – überflüssige Pfunde sind parallel zum Schweinehund verschwunden ;). Also sollte das für euch kein Hinderungsgrund sein, die Scheu vor dem rasanten Rennrad abzubauen.
Wenn das Rennrad fahren eins kann, dann einen schönen Popo zaubern

 

Das Beste kommt zum Schluss

 

Aber mich haben weder die Klamotten, noch der Knackhintern vom Rennradfahren überzeugt, sondern es ist das Freiheitsgefühl, das mich seit bald einem Jahr am Ball bleiben lässt! Joggen und sich auf dem Stepper abstrampeln ist schön und gut, aber den Fahrtwind, das Tempo, die vorbeirauschenden Landschaften habt ihr da definitiv nicht und gerade DAS macht unfassbar Spaß! Quasi Cabrio-Feeling auf zwei Rädern. Und wenn dann am Ende sogar mal die 45km/h auf dem Tacho stehen, kann man nicht mehr anders als hysterisch zu lachen. Da freut sich auch der Papa :).
Wer noch weiter mit Klischees aufräumen und mehr über das Gefühl, als Frau auf’s Rennrad zu steigen erfahren will, dem kann ich nur das Buch “Frau & Rennrad: Handbuch für die Hobbyradsportlerin“ von Marijn de Vries und Nynke de Jong empfehlen (Link zum Amazon-Angebot hinterlegt) – unglaublich amüsant und lehrreich ;).

 

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