Danke. Ein kleines Wort, das heut­zu­tage als neue wahre Wunder­waffe gehyped wird. Wir sollen dankbar für jede noch so kleine Klei­nig­keit sein, die uns im Alltag positiv wider­fährt, sei es direkt eine Park­lücke auf dem über­füllten Fitness­studio-Park­platz zu finden oder auch nur den Gang zum Bäcker unbe­schadet über­standen zu haben. Aber macht Dank­bar­keit unser Leben über­haupt erfüllter? Und kann man über­haupt 24/7 dankbar sein?

Lasset die Spiele beginnen

Jeder kennt sie von uns, diese Phasen, in denen man denkt seinen ulti­ma­tiven Tief­punkt erreicht zu haben. So ging es mir vor zwei Monaten. Ich konnte mich eigent­lich glück­lich schätzen, mit dem was ich hatte. Ich war gesund, hatte ein Zuhause, einen Partner der mich liebte und unter­stütze, einen Nebenjob, der mir Spaß berei­tete, mein Studium, das mich forderte, und diesen Blog hier, als Ventil. Aber dennoch: ich konnte und wollte mich für nichts mehr moti­vieren, war einfach konstant unglück­lich, ohne ausma­chen zu können, warum und verstand mich selbst einfach nicht mehr. Anderen vertraute ich mich nur bedingt an, denn was hätten Freunde und Familie schon raten können, wenn ich nicht mal selbst die Ursache für mein Dilemma ausma­chen konnte?

Mein Freund bestellte sich zu dieser Zeit viele Bücher zum Thema Persön­lich­keits­ent­wick­lung. Als ich mich so durch die Titel las, blieb ich prompt an einem hängen: «Dank­bar­keit. Ab heute werde ich glück­lich und liebe mein Leben». Für mich schien diese These am Anfang ein wenig weit herge­holt. Nur weil man dankbar ist, kann man doch nicht gleich glück­lich sein oder? So sekp­tisch ich auch war, wollte ich dem Ganzen dennoch eine Chance geben. Ich verschlang die 71 Seiten-Lektüre an einem Nach­mittag und fasste den Plan, ab sofort für jede Klei­nig­keit dankbar zu sein und das Posi­tive in den Dingen zu sehen.

Ein Lächeln sagt mehr als tausend Fluche­reien

Sich im hin und wieder stres­sigen Alltag an seine guten Vorsätze zu halten ist defi­nitv einfa­cher gesagt als getan (Neujahr lässt grüßen :D). Allein am ersten Tag meines Dank­bar­keits­pro­jekts wartete gefühlt an jeder Ecke eine Heraus­for­de­rung auf mich. Wie sollte man zum Beispiel etwas Posi­tives in einer Zugver­spä­tung finden, geschweige denn dafür dankbar sein?! Aber ich ließ es trotzdem auf einen Versuch ankommen und sah die Verspä­tung als Chance, mir am Kiosk noch etwas zum Lesen für die Fahrt zu kaufen. Natür­lich hätte ich in dem Moment lieber einen Bahn­mit­ar­beiter ange­motzt oder vor mich hinge­flucht, wie meine rest­li­chen Mitrei­senden. Aber das Gefühl diesem ersten Impuls wieder­standen und in der Zugver­spä­tung eine Möglich­keit gefunden zu haben, für die ich dankbar sein konnte, war zuge­ge­be­ner­maßen doch recht erfül­lend — und ich wollte mehr davon!

A «Thank you» a day keeps the doctor away

Gesagt, getan! Noch am glei­chen Abend kramte ich ein altes, bislang unbe­nutztes Notiz­buch aus, das fortan mein «Dank­bar­keits­buch» werden sollte. Ich nahm mir vor, jeden Abend genau fünf Dinge aufzu­schreiben, für die ich auf den jewei­ligen Tag rück­bli­ckend, dankbar war. Denn das man sich im Alltag nach jeder Auto­fahrt, bei jedem Sonnen­strahl oder gar jedem Atemzug bedankt, erschien und erscheint mir auch heute noch über­trieben. Dafür ist es für mich aber umheim­lich wichtig und unver­zichtbar geworden, meinen Mitmen­schen Dank­bar­keit entgegen zu bringen. Sei es ein herz­li­ches «Danke» an meine Eltern, wenn sie mich zum Essen einladen, ein großes «Danke» an meine Freunde, wenn sie sich Zeit für mich nehmen oder auch ein «Danke» an Fremde, die mir die Tür aufhalten. Das kleine Wört­chen Danke ist ein Zeichen der Wert­schät­zung, der Aufmerk­sam­keit und wie ich heute weiß viel mehr wert, als gekaufte Kekse oder Geld. Gerade weil heute vieles als selbst­ver­ständ­lich gesehen wird, ist die Dank­bar­keit eine vom Aussterben bedrohte Art, die es zu schützen gilt. Und das geht ganz ohne Spen­denabo!

Ein Stück Sonn­tags­weis­heit zum Schluss

Für viele mag das Gerede um Dank­bar­keit immer noch ein pseudo-esote­ri­scher Trend zu sein, der genauso aus der Mode kommen wird wie Schlag­hosen oder Over-Size-Pullis (sind aber übri­gens beide wieder in). Ich habe darin aber ein Stück Glück gefunden, das ich gerne mit euch teilen will ;). Abschlie­ßend deshalb ein paar kleine Tipps von mir, wie ihr Dank­bar­keit ganz einfach in euren Alltag inte­griert und euer Leben tatsäch­lich ein großes Stück glück­li­cher macht :):

  • Seid aufmerksam und achtet auf eure Umwelt. Manchmal kann schon ein am Boden liegender kleiner Stein in Herz­form den Tag zu etwas Beson­derem machen und ein Grund sein, dankbar zu sein.
  • Verän­dert euren Blick­winkel. Ob es ein Stau, eine Absage oder ein ausver­kauftes Ober­teil ist — versucht das Posi­tive darin zu sehen. Denn ihr gewinnt dadurch Zeit, habt die Chance auf etwas Besseres oder an euch zu arbeiten oder könnt Geld einsparen und dieses z.B. für einen Urlaub ausgeben.
  • Lernt zu schätzen, was ihr habt. Viele Menschen konzen­trieren sich nur auf das, was sie nicht haben. Glück­lich sind die aber sicher­lich nicht.
  • Kombi­niert das Wört­chen «Danke» mit einem Lächeln. Wenn ihr nur für 60 Sekunden ein Lächeln haltet und dabei Dank­bar­keit empfindet, könnt ihr die Glücks­ge­fühle in euch Tango tanzen fühlen.
  • Sucht euch ein Dank­bar­keits­ob­jekt. Sei es ein Buch, in das ihr wie ich jeden Abend Gründe zum dankbar sein schreibst, sei es ein Stein, den ihr in den Händen haltet und in Gedanken aufzählt, für was ihr dankbar seid oder ihr eine Kerze anzündet und dabei Dank­bar­keit empfindet — es hilft euch dabei das kleine aber feine Wört­chen «Danke» spie­lend leicht in euren Alltag zu inte­grieren.
  • Seid für euch selbst dankbar. Für alles und jeden dankbar zu sein ist zwar schön und gut, aber ihr dürft euch dabei nicht vergessen. Das ihr gesund seid und ein normales Leben lebt ist jeden Tag ein guter Grund, für sich selbst dankbar zu empfinden.

Dank­bar­keit ist zu meinem Lebens­be­gleiter geworden, der mich immer aufhei­tert, wenn sich doch mal dunkle Wolken in meinem Leben breit machen wollen und hilft mir mein Leben und die Menschen in meinem Umfeld viel mehr wert­schätzen zu können. Sie hat meinen Segeln wieder Wind gegeben und ich bin gespannt, wo die weitere Reise mich hinführen wird …

Das war mein kleines Glücks­ge­heimnis. Verratet mir gerne eures in den Kommen­taren oder auf Face­book oder Insta­gram :).

Bis dahin,

Eure Laura

P.S.: Danke dir — für’s Lesen & das du du bist :)!