Warum Reisen uns glücklich macht

Seit einer Woche bin ich wieder in der guten alten Heimat angekommen und irgendwie weiß ich, das etwas fehlt. Aber weder meine Zahnbürste, noch mein Lieblingskleid, noch der klägliche Rest Sonnencreme, der eigentlich in Griechenland hätte bleiben können, sind es, die in mir dieses Verlust-Gefühl aufkommen lassen, die mich fühlen lassen, als hätte mir jemand etwas geklaut. Langsam wird mir klar: es kann kein belangloser Gegenstand sein, der mir den Schlaf raubt, nein, irgendein Stück von MIR muss in meinem Urlaub verloren gegangen sein…

 

 

Der Duft von Sonnencreme, Meersalz und Tzatziki – das ist der Duft des Glücks.

Wenn ich die Augen schließe, bekomme ich wieder den Geruch nach Sonnencreme, nach salziger Meeresbrise und nach Tzatziki in die Nase.
Wenn ich sie noch ein wenig fester zukneife, ist es fast so, als würde ich wieder an der Meeresbucht stehen, mit Blick auf die Felsen und die verschiedenen Blau-Facetten des weiten und endlosen Meeres. Ich kann es fast greifen, dieses Gefühl, das fehlende Puzzleteil in meiner After-Urlaubs-Realität. Dieses Gefühl ist so vieles, doch im Urlaub, weiß ich, ist es klein und durchsichtig, wie eine Kontaktlinse. Wir setzen sie ins Auge und alles ist klar, scharf und schön. Erst wenn wir sie verlieren, wird uns klar, dass uns etwas fehlt, das der Blick auf die Dinge nicht mehr der Gleiche ist. Und erst wenn sie nach einer gefühlten Ewigkeit des Wartens wieder eingesetzt wird, wird unsre Welt wieder ein großes kleines bisschen besser und wir fühlen uns, als wären wir die Könige der Welt!
Bootssteg zum Mittelmeer

Dieses Gefühl ist Freiheit, ist Leichtigkeit, ist pures Glück – schneller verflogen, als ein Deolüftchen an einem heißen Sommertag.

 

 

Ich wünschte, dieses Urlaubsgefühl würde in Dosen verkauft werden, ich würde mir eine ganze Wagenladung kaufen und sie mir jedes Mal übergießen, wenn mich der Stress, die Unruhe, kurzum: wenn mich der nervige Alltag wieder voll in seinen Fängen hätte. High durch die Gegend schwebend, könnte mir nichts und niemand mehr etwas anhaben. Ich wäre wie Super-Girl mit Sand zwischen den Zehen und Meersalz in den Haaren, Superbräune natürlich inklusive!

Aber wie macht die Seifenblase wenn sie zerplatzt? – Blubb. Schon hat mich die Realität wieder eingeholt, schon wird mir wieder bewusst, dass der Sand an meinen Zehen nur Staub sein kann, weil ich das Staubsaugen verdrängt hab, dass das Salz in meinen Haaren wahrscheinlich Schuppen sind, weil ich kein neues Schuppen-Shampoo gekauft hab und die Bräune an meinen Fingern und an meinem Oberschenkel wahrscheinlich Nutella ist, die mir auf meinem “Trip“ aus dem Mundwinkel getropft ist. Und ja stimmt, da hängt die Nutella-Bräune auch noch.

 

Aus einem To-Do-Listen-Monster kann keine Relax-Fee werden.

Ich glaube, selbst wenn es das Urlaubsgefühl in Dosen gäbe, wäre das auf Dauer dann doch  nix für mich. Ich bin einfach zu typisch deutsch: bei mir muss alles strukturiert, geordnet und bis ins Detail geplant sein. Der To-Do-Listen-Erfinder hat in mir seinen größten Abnehmer gefunden. Ohne meine To-Do-Listen krieg ich einfach miese Laune, nimmt man mir die weg, muss man sich auf eine Kriegserklärung gefasst machen.
Alter Kahn auf dem Mittelmeer
Dann mecker ich alles und jeden an, der sich mir in den Weg stellt, werfe in der Nähe liegende Papiere durch die Gegend (vor schweren oder kaputtbaren Gegenständen hab ich dann doch zu viel Respekt) und habe so einen bösen Blick drauf, das mir nach zwei Minuten mein Gesicht weh tut und ich den Rückzug antreten muss.
Aber jetzt mal ehrlich: jeden Tag das Urlaubsgefühl zu haben, wäre ja so, als würde man jeden Tag sein Lieblingsessen essen (die Schleckermäuler unter euch werden mich jetzt verstehen!). Die ersten drei Tage würde man genüsslich zuschlagen und sich über die Leckerei ein Loch in den Bauch freuen (sodass man dann wieder viel mehr Platz für Essen hätte). Doch nach einer Woche würde man nur noch träge die Gabel in den Mund befördern und sich etwas anderes wünschen, und wenn es nur die ungeliebten Rouladen von Mama sind. Der anfängliche Genuss würde sich in eine Würgereiz verwandeln und wir wüssten: die Ära “Lieblingsessen“ hätte ein Ende.
Würden wir also jeden Tag das Urlaubsgefühl empfinden, wäre die Leichtigkeit schnell verloren und wie eine Seifenblase abheben wäre für immer – Blubb – vorbei.

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